... ist strahlend blau. Und das, obwohl hier rund um die Uhr mörderischer Verkehr herrscht. Durch meine enge Wohnstraße dröhnen zweispurig die Colectivos, so heißen hier die öffentlichen Busse, und hinterlassen ölig-schwarze Rußschwaden. Es gibt deutlich mehr neuere Autos als noch vor ein paar Jahren - ein Zeichen von Aufschwung -, aber das macht die dicke Luft in den Straßenschluchten nicht wirklich dünner.
Ich habe mir ein gebrauchtes Fahrrad zugelegt und stürze mich ins Verkehrsgewühl. Fahrradfahrer gehören hier noch immer zu den bestaunenswerten Sehenswürdigkeiten des Alltags, vor allem die weiblichen. Es vergehen keine 100 Meter ohne entsprechende "piropos" (=Komplimente, teils zweifelhafter Art), von denen "hermosa" - Hübsche - zu den harmlosen gehört. Die meisten anderen verstehe ich ohnehin nicht, und das ist vermutlich auch besser so. Wer deutsche Muffeligkeit gewöhnt ist, wird hier von so viel männlicher Aufmerksamkeit leicht überfordert. Das ist genauso gewöhnungsbedürftig wie die Geräuschkulisse und das Tempo dieser Stadt.
Und überall: Leute, Leute, Leute. Man lässt sich im Menschenstrom der Avenidas treiben oder schaut dem Treiben zu durch die großen Fensterscheiben einer Confiteria. Diese großartige Einrichtung gibt es an fast jeder Straßenecke und in fast jeder Ausführung: von eleganter alter Pracht bis zur schmierigen, nach altem Bratfett miefenden Rumpelbude. Wunderbar, hier stundenlang über einem Cortado zu sitzen und das Leben vorbeiflanieren zu lassen: Hausfrauen beim Einkauf, fliegende Händler, die vom Schminkspiegel über Socken bis Badesalz so ziemlich alles feilbieten, Opas, Studenten, wohl ondulierte Damen, arme Schlucker, Handwerker im Blaumann, eilige Geschäftsleute mit Handy am Ohr.

Blick aus dem Küchenfenster

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