Bei strahlendem Wetter pilgert der Stadtbewohner gerne ins Grüne. Ein Ort der populären Volksbelustigung ist die lange Promenade entlang des Naturschutzgebiets. Ja, tatsächlich, sowas gibt es hier: parque natural y reserva ecologica costanera sur. Wo heute seltene Pflanzen- und Vogelarten zu Hause sind, war früher Wasser. Das Areal entstand, als man vor den Hafenanlagen im Rio de la Plata durch Aufschüttungen Boden gewonnen hat, angeblich stammen die Massen an Material vom Bau der Stadtautobahn Autopista del Sol. Wie auch immer, erstaunlicher Weise wurde die Idee eines Öko-Reservats durchgesetzt, und jetzt erfreuen sich Jogger und Spaziergänger an diesem Erholungsgebiet mitten in der Stadt.
Meine Fahrradtour endet an diesem Sonntag leider vor dem Eingang des Reservats: Es ist geschlossen, weil es die Nacht davor so heftig geregnet hat und jetzt alles unter Wasser steht. Dafür ist die Promenade umso belebter.
Vor der nagelneuen glitzernden Skyline von Puerto Madero, einem in wenigen Jahren aus dem Boden gestampften Stadtteil am ehemaligen Hafen, flaniert todo el mundo, oder besser fast: Es sind eher die weniger Betuchten, die hier ihr kostenloses bis billiges Vergnügen finden. Der reichere Teil sitzt in den Glastürmen direkt gegenüber in seiner eigenen Welt.
Überall auf der Promenade sind Musikanlagen aufgestellt, die Salsas und Cumbias plärren, Alleinunterhalter geben ihre Shows, eingenebelt von den Rauchschwaden der offenen Grillstände. Der sonntägliche Traditionsimbiss heißt Choripan, Brötchen mit gegrillter Wurst. An improvisierten Verkaufstischen türmen sich Süßigkeiten und Torten, Letztere sogar richtig lecker.
Vor einem der Eingänge zum Reservat wird ein größerer Platz mit Treppenstufen als Tanzfläche genutzt. Jeden Sonntag wird hier von Salsa über Chacarera, Rock'n Roll und Bolero bis Tango alles gespielt, und man tanzt vor einem pompösen Brunnen, der neuerdings eingezäunt ist, vermutlich um die Obdachlosen am Baden zu hindern.
Man sitzt auf den Treppenstufen in der Sonne, bei Picknick und Mate, und schaut dem Treiben zu. Hier darf sich jeder in Szene setzen, so gut er kann und will. Alte Paare legen eine echt flotte Sohle aufs Parkett, Respekt, die haben den Rock'n Roll schon in ihrer Jugend getanzt. Und Folklore ist hier echt noch Folklore: Eine Chacarera (http://www.youtube.com/watch?v=_Y3zVP9Qn-0 ) oder Samba (ähnlich wie Chacarera, aber mit Tüchern getanzt) tanzen hier wirklich alle, in jedem Alter.

Flagge.jpg
Taenzer_2.jpg

Trackback URL for this post:

http://milonguera.de/trackback/31