Eine meiner Lieblingsbars in der Stadt ist Los Galgos. Bei jeder Buenos-Aires-Reise schaue ich hier vorbei. Aber jedes Mal, wenn wieder ein Jahr oder mehr vergangen ist seit meinem letzten Besuch, wird mir leicht mulmig, bevor ich durch die alte Glastür eintrete: Wird die Bar noch dieselbe sein mit dem demselben abgewetzten Charme? Und vor allem: Werden die Kellner noch dieselben sein?
Von außen sieht alles aus wie immer. Und im Augenblick, in dem ich den Krach und Gestank der Kreuzung Lavalle / Callao drinnen hinter mir lasse, bin ich erleichtert: Die Bar ist noch ganz die alte, genauso wie die alten Herren mit ihren dicken Brillen, fast ohne Zähne und mit noch weniger Haaren, die in ihren etwas schmuddeligen weißen Kitteln gemächlich und würdevoll ihrer Arbeit nachgehen. Man hat den Eindruck, sie sind gemeinsam alt geworden mit der Einrichtung, die seit 1930 viel gesehen hat, auch Restaurierungen eher unsensibler Art, vermutlich in den 60ern oder 70ern, deren Schäbigkeit sich jetzt grandios in dieses gewachsene Gesamtkunstwerk einfügt.
In die Wandvertäfelung sind Spiegel eingelassen, so hat man an einigen der Tische gleich die gesamte Bar im Blick. Draußen tobt die Stadt, hier drinnen tickt die Uhr um einiges langsamer. Leute sitzen hinter ihren Zeitungen, einer macht seine Buchhaltung, ein anderer korrigiert Klassenarbeiten, Damen plaudern beim Kaffee, ganz hinten in der Ecke döst einer vor sich hin.
Hinter dem Tresen, den man vor Jahrzehnten aufs Hässlichste mit Holzimitat verkleidet hat, blättert der Besitzer - vermutlich so um die 80 - in seinem zerfledderten Adressbuch. Die Kellner wandern routiniert und ohne Eile zwischen den Tischen hin und her. Der Cafe con leche wird hier aus Silberkännchen serviert, die noch aus den verflossenen Glanzzeiten der Bar stammen. Jedem Gast wird genau die gewünschte Mischung aus Kaffee und geschäumter Milch eingeschenkt. Es muss hier mal richtig elegant zugegangen sein.
Auf dem verspiegelten Tresenaufsatz thronen die beiden Namensgeber der Bar, zwei Windhunde aus Porzellan, einer weiß, der andere schwarz. Ansonsten ist hier allerlei Nützliches, Überflüssiges und Geschmackloses versammelt: Eine mächtige, vorsintflutliche Wurstschneidemaschine, eine ebensolche Waage für Lebensmittel, eine Art Volksempfänger aus den 30er Jahren, ein altes Taxometer, das zu einer Lampe umgearbeitet wurde, ein Münztelefon, an dem ein vergilbter handschriftlicher Zettel darauf aufmerksam macht, dass es außer Betrieb ist. Ein wunderbarer Ort, den es so leider in absehbarer Zeit nicht mehr geben wird.

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