Wie werden wir sein, wenn wir mal 75 oder 80 oder älter sind? Die gute Nachricht ist: Das Gedächtnis des Körpers ist phänomenal. Leute, die keine Treppe mehr alleine hoch kommen, werden auf der Piste wieder zu Salonlöwen. Im Sunderland Club gab es vergangenen Samstag eine Hommage an die großen Damen der Milongawelt. Geschätztes Mindestalter: 75.

Noch de milongueras 2

Zum Auftakt der Herbstsaison trägt die Argentinierin Leo bis Zebra. Bei lausigen Nachttemperaturen.

Tierischer Herbst

möchte ich die Energie von Ofelia haben, die sich immer noch regelmäßig die Nächte auf den Milongas um die Ohren schlägt. (Sorry für den schlechten Sound, aber so ist nun mal die Akustik im Sunderland!) Und hoffentlich hab ich dann einen so tollen Tänzer wie Ricardito, der kürzlich seinen 88. gefeiert hat!

Ein strahlend sonniger Morgen geht über in einen klebrig schwülen Tag. Es ist bestimmt so an die 30 Grad, die Luft schwer, das Atmen schon fast anstrengend. Trotzdem schwinge ich mich aufs Fahrrad und fahre zur Reserva Ecologica.
Es ist ja schließlich Frühling. Auf den Grünflächen liegen schon überall Leute in Badesachen in der Sonne, drum herum rattern LKW, Colectivos und Heerscharen von Taxis. Von der Promenade wehen die Holzkohleschwaden herüber.

P1000263.jpg

Bei strahlendem Wetter pilgert der Stadtbewohner gerne ins Grüne. Ein Ort der populären Volksbelustigung ist die lange Promenade entlang des Naturschutzgebiets. Ja, tatsächlich, sowas gibt es hier: parque natural y reserva ecologica costanera sur. Wo heute seltene Pflanzen- und Vogelarten zu Hause sind, war früher Wasser. Das Areal entstand, als man vor den Hafenanlagen im Rio de la Plata durch Aufschüttungen Boden gewonnen hat, angeblich stammen die Massen an Material vom Bau der Stadtautobahn Autopista del Sol.

Flagge.jpg

... ist strahlend blau. Und das, obwohl hier rund um die Uhr mörderischer Verkehr herrscht. Durch meine enge Wohnstraße dröhnen zweispurig die Colectivos, so heißen hier die öffentlichen Busse, und hinterlassen ölig-schwarze Rußschwaden. Es gibt deutlich mehr neuere Autos als noch vor ein paar Jahren - ein Zeichen von Aufschwung -, aber das macht die dicke Luft in den Straßenschluchten nicht wirklich dünner.

Blick aus dem Küchenfenster